Leseproben

Warum ich dieses Buch schreibe

Eigentlich war der Plan wasserdicht. Ich hatte meine gut dotierte Festanstellung aufgegeben, denn ich wollte frei sein. Wollte raus aus dem Bürotrott, weg von der Fremdbestimmung, aus dem Klein-Klein von Meetingterror und Anwesenheitspflicht. Ich hatte mit „Morgen komm ich später rein“ sogar ein Buch darüber geschrieben, dass wir neuerdings arbeiten können, wann und wo wir wollen – Hauptsache, der Job wird erledigt. Und obwohl ich bei der Recherche für das Buch viele fortschrittliche Unternehmen fand, die ihren Mitarbeitern diese Freiheit einräumten und damit sehr erfolgreich waren, wusste ich doch: Mein alter Arbeitgeber, die Zeitschrift Vanity Fair, bei der ich als Managing Editor gearbeitet hatte, gehörte nicht dazu. Und die meisten anderen Medienunternehmen, die ich kannte, auch nicht. Journalisten sind immer im Dienst. Und gefälligst auch immer am Schreibtisch. Es könnte ja noch etwas passieren.

Also hatte ich beschlossen, mein Konzept des Überallarbeitens – das ich „Easy Economy“ genannt hatte – zunächst einmal in dem Status auszuprobieren, in dem es am einfachsten zu verwirklichen ist: als Selbstständiger. Ich hatte viele Kontakte, ein vorzeigbares Portfolio, viele Ideen und verlangte einen komfortablen Tagessatz. Ich würde unterwegs von irgendwo auf der Welt Artikel recherchieren und Konzepte entwickeln. Würde, wenn ich wieder in Deutschland war, Verlage und Agenturen beraten oder Vorträge halten. Und sollte ich mal für ein paar Monate Fernweh verspüren, würde ich einfach das nächste Buch schreiben. Auf Bali, in Buenos Aires, Bangkok – oder Born am Darß. Ich sah ein Leben vor mir, wie ich es immer erträumt hatte: unabhängig, kosmopolitisch, komfortabel.

Dann kam die Wirtschaftskrise.

Zunächst dachte ich, was wohl alle dachten: Geht vorbei, betrifft mich nicht. Dann fingen die ersten Menschen in meinem Umfeld – Profis, die ich als optimistisch und saturiert kannte – an schwarzzumalen. Die Aufträge würden weniger, die Budgets kleiner, die Kunden unfreundlicher. Schließlich merkte ich es selbst. Redakteure riefen nicht zurück. Honorare wurden gedrückt, Jobs, die ich für sicher hielt, von einem Tag auf den anderen storniert. Alles nicht dramatisch aber doch schwierig, unsicher, irgendwie schlecht gelaunt.
Wollte ich wirklich ausgerechnet jetzt meine Vision von globaler Mobilität, maximaler Freiheit und Selbstverwirklichung im Job umsetzen? Oder ging es nun nicht gar nicht mehr darum, später reinzukommen, sondern überhaupt noch? Nicht rumzicken, keine unrealistischen Ansprüche stellen und bitte schön: vor Ort und erreichbar sein. Überstunden machen, bevor einen die Kurzarbeit erwischt. Das waren doch in der Rezession wohl die neuen Anforderungen an Arbeitnehmer und Freiberufler. Ich sollte wohl besser meine Reisepläne verschieben, die Kollaborations-Software einmotten und mich um einen ordentlichen 9-to-5-Job bemühen, solange es noch welche gab. Sollte mich freuen, wenn ich jeden Tag an meinen Schreibtisch gehen durfte.

Oder?

Nach einigen Tagen des Grübelns und vielen langen Diskussionen mit Freunden und Kollegen beschloss ich zu tun, was jeder analytische Macher nach gründlichem Abwägen getan hätte: erst mal gar nichts. Vielleicht ging diese Krise ja doch von selbst vorbei. Jedenfalls mochte ich meine Theorien nicht beim ersten Widerstand über Bord werfen, auch wenn ich mir vorkam wie der Mann, der gegen den Flüchtlingsstrom auf einen Vulkanausbruch zuläuft.

An einem dieser Tage, an denen ich mich ernsthaft fragte, ob die Entscheidung, meine Führungsposition in der Redaktion aufzugeben, nicht doch etwas übereilt gewesen war, summte mein Telefon mit einer SMS: „Vanity Fair sofort eingestellt, alle gekündigt“, benachrichtigte mich ein früherer Kollege aus der Redaktionssitzung. Da wusste ich: Es war klüger gewesen, das sinkende Schiff auf eigene Initiative und mit einer Vision zu verlassen, als mich mit schlechtem Gefühl an eine Festanstellung zu klammern, die so fest ja eben doch nicht war. Meine freigestellten Exkollegen jedenfalls hatten es jetzt erst mal nicht leicht: Die Kündigung hatte sie überrascht, die meisten hatten keinen Plan B. Dazu kam: Wenn 80 Zeitschriftenmitarbeiter auf einen Schlag nach neuen Jobs suchen, wird es eng. In den folgenden Monaten entpuppten sich viele krisensicher geglaubte Jobs selbst bei Traditionsmarken als sehr wackelig: Märklin, Rosenthal, Schiesser, Karstadt, Opel – Sicherheit fürs Leben war dort, anders als für frühere Generationen, nicht mehr zu finden.

Ich hingegen merkte, dass die anfängliche Auftragsflaute nur an der Unsicherheit der Unternehmen zu Beginn der Krise gelegen hatte. Meine Theorie war offenbar doch nicht so blauäugig. Es konnte tatsächlich sein, dass ich mein freies, ungebundenes und glückliches Leben auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten würde führen können. Inzwischen verdiene ich – vorausgesetzt, ich nehme mir nicht zwischendurch frei – mindestens so viel wie als Festangestellter. Meine Arbeitsweise, manchmal vor Ort im Büro zu sein, manchmal aber auch von einem Café in Lissabon aus zu arbeiten, stellt keiner mehr infrage. Das Leben ist nicht immer einfach, aber näher an die Easy Economy kann man wahrscheinlich nicht kommen.

Ich habe seitdem viele Menschen kennengelernt, denen es ganz ähnlich ging wie mir: Von alten Gewissheiten enttäuscht, haben sie sich entschieden, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und endlich das zu tun, was sie mögen. Sie gründeten ein Unternehmen für elektronisches Lernen, erfanden ein kleines Programm fürs iPhone, das es Menschen ermöglicht, ihre eigene Produktivität zu verbessern. Sie machten sich mit einer Agentur für Virtuelle Persönliche Assistenten selbstständig, arbeiteten im Winter in Südamerika oder immer von einem kleinen Häuschen in der Uckermark.

Für manche ist die Lehre aus der Krise, dass sie umso mehr an ihren Sicherheiten festhalten, vor allem: an der Festanstellung, so sie noch eine haben. Das ist verständlich und kurzfristig wohl auch vernünftig, aber auf längere Sicht nicht unbedingt die beste, jedenfalls nicht mehr die einzige Strategie. Manche kündigten ihre gut bezahlten Jobs, weil sie sich von der Krise nicht einschüchtern lassen wollten oder diese sogar als Chance sahen. Viele Berufsanfänger machten sich in der aktuellen Wirtschaftslage keine Hoffnungen auf die sichere Festanstellung und begannen von ihrem Wohnzimmer aus, nur mit dem Laptop bewaffnet, ein Geschäftsmodell zu verfolgen.

Es ist kein Zufall, dass der Ansatz der Easy Economy, also des mobilen, flexiblen und selbstbestimmten Arbeitens, auch in ökonomisch angespannten Zeiten funktioniert. In Wahrheit, so denke ich inzwischen, funktioniert er dann sogar besser. Die Krise ist – zumindest gefühlt – schon wieder vorbei, doch sie hat einen grundlegenden Mentalitätswandel bewirkt. Sie war der Katalysator für eine Entwicklung, die Experten schon vorher unaufhaltsam erschien, die nun aber noch einmal beschleunigt, vor allem aber für viele erstmals sichtbar wurde.

Am Ende stehen Lebens- und Arbeitsbiografien, die kaum noch etwas mit denen unserer Elterngeneration zu tun haben. Wir machen unsere Hobbys zum Beruf und verlegen unseren Lebensmittelpunkt dorthin, wo wir am glücklichsten und produktivsten sind. Wir müssen uns selbst wie eine Marke positionieren, unsere Stärken ausbauen und Dinge, die wir nicht so gern oder gut machen, an andere Experten auslagern, vielleicht sogar an Dienstleister in anderen Ländern. Wir machen uns leichteren Herzens selbstständig, aber vor allem werden wir selbstständiger denken und fühlen. Es wird ein gutes, aufregendes und erfülltes Leben sein, aber nicht jeder wird es führen können. Nur jene mit guter Ausbildung, Bereitschaft zu lebenslangem Lernen, kultureller Offenheit, Neugier und Glauben an die eigenen Fähigkeiten werden dazugehören. Das heißt zugleich: Viele werden durch dieses Raster fallen. Die neue Arbeitswelt, nennen wir sie „Meconomy“, wird hart werden und sie wird die Gesellschaft in der Mitte spalten.

Zugegeben: Nicht jeder kann seine Leidenschaft zum Beruf machen, kann sich aus den Fesseln des Bürotrotts befreien und sich in der modernen Welt selbst verwirklichen. Von diesem Buch wird profitieren, für wen die Möglichkeiten der digitalen Ökonomie, der globalen Mobilität und der individuellen Markenbildung verlockend klingen. Wer unter der Fremdbestimmung einer Festanstellung leidet und sich überlegt, endlich mal etwas Sinnvolles mit seinem Leben anzustellen. Wer schon selbstständig ist, sich aber mit Routineplackerei und Brotjobs durchschlägt. Wer neue Jobs erfinden will, die es heute noch gar nicht gibt. Wer als Arbeitgeber wissen will, wie er künftig die besten Mitarbeiter anlockt. Dieses Buch ist nicht für Menschen geschrieben, die wohlige Routine, pünktlichen Feierabend und eine komplett berechenbare Zukunft schätzen. Es gibt auch Berufsbilder, in denen das Versprechen der Meconomy schlicht nicht funktioniert. Dies ist ein Buch, das hauptsächlich für eine Zielgruppe geschrieben wurde: Wissensarbeiter, auch Kreative Klasse genannt. Also Menschen, die mit Informationen umgehen, die eher Produkte entwickeln als herstellen, die eher digitale als handwerkliche Dienstleistungen anbieten, die hauptsächlich am Computer arbeiten. Das sind heute schon etwa 50 Prozent aller Jobs, Tendenz steigend, aber es sind eben nicht alle.

Vor allem aber wird die Meconomy für uns alle hart, weil wir mit weniger Sicherheiten auskommen müssen, ohne manche Leitplanken der alten Wirtschaftsordnung. Der Staat, die Sozialversicherungssysteme und viele politische Ordnungsmuster werden sich an diese neue Welt anpassen müssen, wenn sie noch eine Gültigkeit für die Menschen haben sollen. Wer sich statt auf seine Leidenschaften und Fähigkeiten weiter auf die staatlichen Netze, gelernte Routinen und den vertrauten Arbeitsalltag verlässt, wird es schwer haben, wird vermutlich zu den Verlierern gehören. Die netten Jahre sind vorbei. Jetzt kommen die aufregenden, die fordernden, die Jahre voller Gefahren und Gelegenheiten.

Dieses Buch erscheint als E-Book, gerade weil es davon handelt, dass wir heute viele klassische Institutionen nicht mehr brauchen, sondern Dinge heute selbst in die Hand nehmen können und weil ich den Beweis mit diesem Buch selbst antreten möchte – ich suche mir meine Leser selbst, ohne großen Verlag oder Buchhandlungen im Rücken – beziehungsweise: Die Leser finden, so hoffe ich, das Buch. Außerdem halte ich das digitale Format bei bestimmten Veröffentlichungen für überlegen: Ganz abgesehen davon, dass es immer komfortablere Lesegeräte gibt und dass die Paid-Content-Debatte, ob man also Inhalte im Internet verkaufen kann, an Fahrt gewinnt – der Hauptgrund, dieses Buch als E-Book zu veröffentlichen, ist Geschwindigkeit. Mein Verlag hätte bis zum kommenden Herbst gebraucht, es zu drucken und in die Buchhandlungen zu bringen – also fast ein Jahr. Die Thesen sind aber jetzt aktuell und sie sollen jetzt diskutiert werden können.
Das heißt nicht, dass es dieses Buch nie auf Papier geben kann. Es zuerst digital zu veröffentlichen ist ein Experiment, auf dessen Ausgang ich selbst gespannt bin. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir helfen zu beweisen, woran ich fest glaube: dass dieser Vertriebsweg – nach Dokumenten, Musik, Fotos und Filmen – auch für längere Texte in naher Zukunft dramatisch an Relevanz gewinnen wird.

Einleitung

„The future of business will be more startups, fewer giants, and infinite opportunity“
Chris Anderson

Manchmal müssen wir aus der Bahn geworfen werden, um zu wissen, wo es hingehen soll. Manchmal brauchen wir einen ordentlichen Schubs von außen, um Veränderungen zu akzeptieren, von denen wir schon lange ahnten, dass sie unumkehrbar sind. Und manchmal wollen wir einfach mal etwas Neues ausprobieren, weil das Alte so komisch schal schmeckt und vermutlich eh bald umkippt.

Spätestens die Weltwirtschaftskrise hat uns die Grenzen vieler Werte und Regeln aufgezeigt, die noch unseren Eltern Sicherheit und Verlässlichkeit boten. Wir ahnten es schon, aber jetzt war es unübersehbar – kaum noch etwas bot existenzielle Sicherheit: der lebenslange Job? Die großen Unternehmensmarken? Die Altervorsorge? Marode oder komplett hinfällig. Die scheinbare Berechenbarkeit unseres Lebensrhythmus, der tägliche Weg zur Arbeit, das Sparen für die Rente – alles schien plötzlich hoffnungslos veraltet. Unzuverlässig. Falsch. Es war zum Verzweifeln. Oder man konnte in diesen Katastrophenmeldungen eine gute Nachricht entdecken: Denn was erwartet uns statt des patriarchalischen Systems von Rheinischem Kapitalismus, Reihenhaus, Rente? Vielleicht ja ein Leben, das wir schon seit einigen Jahren vorgeschmeckt haben, das wirklich zu kosten uns aber immer zu risikoreich erschien. Ein Leben, das uns Freiheiten, Entscheidungsoptionen und Wege der Selbstverwirklichung eröffnet, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren.

Für die kluge Zeitschrift Monocle war 2009 das „Rethink year“ – das Jahr des Umdenkens. Die Menschen hätten gelernt, sich auf ihre Fähigkeiten zu verlassen, sagte mir Chefredakteur Andrew Tuck, der Stimmen aus aller Welt zu diesem Thema veröffentlicht: „Es gab schreckliche Verluste für viele, aber auch einige heilsame Korrekturen.“ Auch Tuck glaubt, dass es nun einfacher ist, sich neu zu erfinden: „Ich kenne Menschen, die vom Fotoagenten zum Koch umgeschult haben oder vom Banker zum Bauern und die in beiden Bereichen gut sind. Ich finde das toll. Es ist nie zu spät, zu tun, woran einem wirklich liegt.“ Viele hätten in und nach der Krise gelernt, was sie wirklich glücklich macht.

Tu, was Du liebst, heißt es, dann wirst Du keinen Tag Deines Lebens arbeiten. Was früher nach schwülstiger Selbstfindungsromantik klang, wird heute plötzlich möglich. Nicht zuletzt die digitale Ökonomie macht es einfacher und zugleich notwendiger, Zielgruppen, Anhänger und Märkte für Tätigkeiten und Produkte zu finden, für die wir brennen. Das Leben wird zu einem Baukasten der Möglichkeiten. Modular können wir uns genau jene Teile zusammensetzen, die zu uns passen.

Hierüber tauschen sich von überall in der Welt neuerdings Menschen aus – wie sich die alltäglichen Dinge des Lebens mithilfe von praktischen Tricks und moderner Technik besser bewältigen lassen. Sie versuchen so, ihre persönliche Produktivität zu optimieren, weil der gute alte Bürotag von neun bis fünf zunehmend der Vergangenheit angehört und wir dank diesem Ende der Anwesenheitspflicht erstmals ein wahres Interesse daran haben, Dinge schneller und effizienter geregelt zu bekommen, um danach freizuhaben. In meinem letzten Buch, „Morgen komm ich später rein“, habe ich gezeigt, wie man durch mobile und flexible Arbeitsweise heute weniger Zeit im Büro verbringt und Zeit für andere Dinge gewinnt. Die Frage, die sich nun stellt, ist: Was passiert dann? Wie nutzt man nun diese Zeit? Für immer mehr Menschen lautet die Antwort: Bildung, Fähigkeiten erweitern, Selbstverbesserung.

Gleichzeitig machen die neuen Kommunikationstechnologien auf der Basis von Internet und mobilen Services das Bilden, Motivieren und Mobilisieren von Gruppen immer einfacher. So kann heute jeder von uns zum Anführer seines eigenen „Stammes“ werden, wie der Marketing-Experte Seth Godin das nennt. Die heute 18- bis 25-Jährigen gelten schon jetzt als die „kreative Generation“, denn sie sind es gewohnt, nicht nur zu konsumieren, sondern genauso selbstverständlich zu produzieren. Auch dies ist für jeden von uns eine nie dagewesene Chance der Selbstverwirklichung.

Mit der Arbeitswelt verändern sich auch die Geschäftsmodelle. „What would Google do?“, fragt der amerikanische Autor Jeff Jarvis und gibt die Antwort für viele Branchen: Auch sie müssen sich neu erfinden – müssen viele ihrer ehemaligen Geschäftsgeheimnisse offenlegen und ihre Produkte von Kunden und Subunternehmern auf unerwartete Weise remixen lassen. Chris Anderson, Chefredakteur der klugen Technologiezeitschrift Wired, hat als neuen Trend „Free“ identifiziert – das Verschenken von Produkten und Dienstleistungen, um dann auf verschiedene neue Weisen doch wieder Geld zu verdienen. Fest steht: Viele Geschäftsmodelle wandeln sich gerade grundlegend. Und die meisten Unternehmen haben heute noch keine Antwort auf diese Veränderungen. Das bedeutet zweierlei: 1) Egal wie stabil und groß unser Arbeitgeber bislang war – sein Erfolg in der Zukunft, und damit unser Job, sind ungewiss. 2) Die Barrieren für einen erfolgreichen Markteintritt neuer Player sind so niedrig wie nie. Wenn niemand weiß, wie es weitergeht, können genauso gut wir es sein, die die Zukunft miterfinden.

Wir sind im positiven Sinne auf uns selbst zurückgeworfen. Die kleinste sinnvolle Einheit, auf die wir uns in der Wissensgesellschaft verlassen können, ist unser Kopf.
Wir selbst.

In diesem Buch möchte ich zehn zentralen Entwicklungen nachgehen, die meiner Meinung nach unsere Arbeits- und damit Lebenswelt in den kommenden Jahren prägen werden:

1) Tradierte biografische Routinen und Eckdaten der Lebensplanung wie Festanstellung, sichere Rente, 9-to-5-Arbeitstag oder klassische Ausbildung verlieren zunehmend an Wert. Immer mehr von dem, was die Existenz unserer Eltern noch überschaubar machte, ist für die Generation der unter 40-Jährigen bestenfalls von sentimentalem Wert.

2) Viele der Jungen stehen klassischen staatlichen Strukturen reserviert gegenüber, nehmen Sicherheitsversprechen im Zeitalter der Globalisierung nicht mehr für bare Münze. Sie setzen stärker auf Eigeninitiative und Unternehmertum denn auf klassische Karrierewege. Wenn die Sozialstandards langfristig nicht zu halten sind – so die Devise –, dann will ich wenigstens Freiheit haben.

3) Arbeit wird zunehmend mobil und flexibel, wir verbringen nicht mehr den Großteil unseres Lebens in Büros. Dieser veränderte Arbeitsalltag ergibt sich vor allem durch technologische Neuerungen und durch sie kristallisieren sich auch alternative Berufsfelder heraus. Weil Wissen, Fähigkeiten und Geschäftsmodelle immer schneller veralten, müssen wir uns permanent neu erfinden. Die Floskel des lebenslangen Lernens ist für uns harte Realität.

4) Wir haben das Gefühl, auf uns selbst gestellt zu sein. In der Folge wird Individualität als Lebensziel für viele immer wichtiger. Andere fühlen sich von der Entwicklung aber auch abgehängt und überfordert.

5) In diesem Wandel steckt eine enorme Chance. Denn durch die kommunikativen Möglichkeiten des Internet finden wir nicht nur viele Gleichgesinnte, mit denen gemeinsam wir Neues lernen können. Die Technologie dient zugleich als großes Bildungslaboratorium. Die Vermittlung von Wissen wird zunehmend kostenlos, global, individuell und zu-gleich sozial organisiert.

6) Gleichzeitig verschafft uns dieser kommunikative Anschluss an die Welt erstmals die Möglichkeit, unsere Leidenschaften zum Beruf zu machen, Geld mit dem zu verdienen, was uns begeistert. Im Internet finden wir Kunden, Gleichgesinnte und also Geschäftsmodelle – allerdings auch den größtmöglichen Wettbewerb. Wir müssen also nicht nur unser Leben stärker in die Hand nehmen, wir können es erstmals auch.

7) Es reicht nicht mehr, Dinge einmal zu lernen und dann im Job zu funktionieren. Wir müssen uns vielmehr als Marke inszenieren, müssen Personal Branding betreiben, um im weltweiten Wettbewerb um Arbeitskräfte mitzuhalten. Auch hierbei helfen die Link-Ökonomie des Internets und die Rückbesinnung auf unsere Stärken und Leidenschaften.

8) Glücksforscher sagen, dass wir mit dieser selbstbestimmten, abwechslungsreichen und doch fordernden Art, unsere Arbeit und unser Leben zu gestalten, alle Voraussetzungen erfüllen, um glücklich zu sein.

9) Personal Branding sowie die zunehmend mobilere und flexiblere Natur von Arbeit erlauben uns, die Orte auszusuchen, an denen wir zufrieden und produktiv sind. Leben und Arbeit sind nicht mehr an einen Arbeitgeber und einen Wohnort gebunden. Wir werden global mobil. Auch das kann uns glücklicher machen.

10) Weil wir zunehmend selbst bestimmen, wie, wo und mit wem wir unser Geld verdienen, stellt sich die Sinnfrage verstärkt. Der Trend, ökonomisches und soziales Engagement zu verbinden, nimmt zu. Wir wollen Gutes tun, glücklich sein und Geld verdienen. In der alten, patriarchalischen, hierarchischen und unflexiblen Arbeitswelt schloss sich das in der Regel aus. In der Meconomy ist es geradezu Voraussetzung für den Erfolg.

All das wirft viele neue Fragen auf, mit denen sich dieses Buch beschäftigen soll. Im ersten Teil, „Was ist heute anders?“, werden die veränderten Rahmenbedingungen der Meconomy zusammengefasst. Ob und wie dieser Wandel uns zu zufriedeneren Menschen machen kann, wird im zweiten Abschnitt diskutiert: „Was macht mich glücklich?“ Im dritten Kapitel erfahren wir unter dem Titel „Was kann ich können?“, was wir wissen müssen, um in der Meconomy Erfolg zu haben und wie wir dieses Wissen erwerben. „Wie werde ich arbeiten?“, fragt der vierte Abschnitt. Anhand vieler Beispiele und Studien wird hier erklärt, warum wir heute unsere Leidenschaften zum Beruf machen können und müssen. Dass uns diese Jobs, aber auch eine gesunde Portion Fernweh in die Ferne tragen können, sehen wir im fünften Kapitel, „Wo will ich leben?“, in dem es um unsere neue globale Mobilität geht. Am Ende soll es im sechsten Teil um die Frage gehen, weshalb die Meconomy keine rein egoistische Lebensanschauung mit sich bringt, sondern im Gegenteil eine neue Kultur der Empathie und des sozialen Engagements befördert. Gleichzeitig wird gefragt, welche Rolle der Staat mit seinen Institutionen dabei spielen kann und welche politischen Reformen jetzt nötig sind: „Von der Me- zur Weconomy“.

„Meconomy“ ist dabei ein unbedingter Aufruf zur Tätigkeit. Ein optimistischer Gegenentwurf zu Weltuntergangsszenarien, Krisendepression und Passivitätslehren von „Durchtauchen“, Aushalten und Abwarten. Es ist ein Lebensbaukasten – die Aufforderung, seine Existenz nicht zu erleiden, sondern aktiv zu formen. Es wendet sich an den Einzelnen, der seine Karriere stärker selbst in die Hand nehmen möchte. Aber auch an den Arbeitgeber, der verstehen möchte, welcher Wandel in den Bedürfnissen hochqualifizierter Arbeitskräfte auf sein Unternehmen zukommt. Mit vielen Beispielen aus der Praxis und verständlicher theoretischer Unterfütterung fasst es den aktuellen Diskussionsstand internationaler Wissenschaftler, Unternehmer und Praktiker zusammen. Wir leben in unübersichtlichen Zeiten. Ich möchte nicht darüber klagen, sondern erklären, warum es nicht anders sein kann. Was wir daraus lernen. Und wie wir die neuen Entwicklungen nutzen können, um für uns und unsere Kinder ein besseres Leben zu bauen.

Zehn Thesen zur Meconomy

These #01: Tradierte biografische Routinen und Eckdaten der Lebensplanung wie Festanstellung, sichere Rente, 9-to-5-Arbeitstag oder klassische Ausbildung verlieren zunehmend an Wert. Immer mehr von dem, was die Existenz unserer Eltern noch überschaubar machte, ist für die Generation der unter 40-Jährigen bestenfalls von sentimentalem Wert.

These #02: Viele der Jungen stehen klassischen staatlichen Strukturen reserviert gegenüber, nehmen Sicherheitsversprechen im Zeitalter der Globalisierung nicht mehr für bare Münze. Sie setzen stärker auf Eigeninitiative und Unternehmertum denn auf klassische Karrierewege. Wenn die Sozialstandards langfristig nicht zu halten sind – so die Devise –, dann will ich wenigstens Freiheit haben.

These #03: Arbeit wird zunehmend mobil und flexibel, wir verbringen nicht mehr den Großteil unseres Lebens in Büros. Dieser veränderte Arbeitsalltag ergibt sich vor allem durch technologische Neuerungen und durch sie kristallisieren sich auch alternative Berufsfelder heraus. Weil Wissen, Fähigkeiten und Geschäftsmodelle immer schneller veralten, müssen wir uns permanent neu erfinden. Die Floskel des lebenslangen Lernens ist für uns harte Realität.

These #04: Wir haben das Gefühl, auf uns selbst gestellt zu sein. In der Folge wird Individualität als Lebensziel für viele immer wichtiger. Andere fühlen sich von der Entwicklung aber auch abgehängt und überfordert.

These #05: In diesem Wandel steckt eine enorme Chance. Denn durch die kommunikativen Möglichkeiten des Internet finden wir nicht nur viele Gleichgesinnte, mit denen gemeinsam wir Neues lernen können. Die Technologie dient zugleich als großes Bildungslaboratorium. Die Vermittlung von Wissen wird zunehmend kostenlos, global, individuell und zu-gleich sozial organisiert.

These #06: Gleichzeitig verschafft uns dieser kommunikative Anschluss an die Welt erstmals die Möglichkeit, unsere Leidenschaften zum Beruf zu machen, Geld mit dem zu verdienen, was uns begeistert. Im Internet finden wir Kunden, Gleichgesinnte und also Geschäftsmodelle – allerdings auch den größtmöglichen Wettbewerb. Wir müssen also nicht nur unser Leben stärker in die Hand nehmen, wir können es erstmals auch.

These #07: Es reicht nicht mehr, Dinge einmal zu lernen und dann im Job zu funktionieren. Wir müssen uns vielmehr als Marke inszenieren, müssen Personal Branding betreiben, um im weltweiten Wettbewerb um Arbeitskräfte mitzuhalten. Auch hierbei helfen die Link-Ökonomie des Internets und die Rückbesinnung auf unsere Stärken und Leidenschaften.

These #08: Glücksforscher sagen, dass wir mit dieser selbstbestimmten, abwechslungsreichen und doch fordernden Art, unsere Arbeit und unser Leben zu gestalten, alle Voraussetzungen erfüllen, um glücklich zu sein.

These #09: Personal Branding sowie die zunehmend mobilere und flexiblere Natur von Arbeit erlauben uns, die Orte auszusuchen, an denen wir zufrieden und produktiv sind. Leben und Arbeit sind nicht mehr an einen Arbeitgeber und einen Wohnort gebunden. Wir werden global mobil. Auch das kann uns glücklicher machen.

These #10: Weil wir zunehmend selbst bestimmen, wie, wo und mit wem wir unser Geld verdienen, stellt sich die Sinnfrage verstärkt. Der Trend, ökonomisches und soziales Engagement zu verbinden, nimmt zu. Wir wollen Gutes tun, glücklich sein und Geld verdienen. In der alten, patriarchalischen, hierarchischen und unflexiblen Arbeitswelt schloss sich das in der Regel aus. In der Meconomy ist es geradezu Voraussetzung für den Erfolg.

Der Autor

Markus Albers lebt als freier Journalist und Sachbuchautor in Berlin. Er ist Korrespondent der Zeitschrift Monocle, schreibt für Brand Eins, Die Zeit, GQ und AD. Seine Arbeiten wurden auch in Vanity Fair, Spiegel, Stern, SZ-Magazin und der Welt am Sonntag veröffentlicht.

Interviews

Timo Off: "Wir haben immer mehr Möglichkeiten, uns unsere Lebensnische zu suchen"

Timo Off berät nach einigen Jahren als Lehrer heute das Schleswig-Holsteinische Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen und betreibt eine Agentur für Kommunikationstraining, in der er Lehrer fortbildet. Off beschäftigt sich mit der Auswirkung neuer Technologien auf Bildung.

Rolf Potts: "Man muss seinen Traum vom Langzeitreisen einfach nur zur Priorität machen"

Rolf Potts hat als Reisejournalist für das New York Times Magazine, Condé Nast Traveler oder The Guardian aus mehr als 50 Ländern berichtet, war Kolumnist für Salon.com, hat die Bücher "Vagabonding" und "Marco Polo Didn’t Go There" geschrieben. Potts erfand den Begriff "Long Term Travelling".

Es gibt drei Wege, Meconomy zu kaufen – je nachdem, welches Format man bevorzugt:

1) Man kann hier den PDF-Download wählen. Das PDF ist sehr vielseitig, funktioniert auf allen Computern, vielen Smartphones und E-Readern. Außerdem bekommt man ein farbiges, animiertes Cover, das ziemlich cool aussieht.

2) Das gängigste E-Book-Format heisst EPUB und läuft auf fast allen Lesegeräten (Achtung: nicht auf dem Kindle). Man kann EPUBs aber auch am Rechner lesen, mit kostenlosen Programmen wie Digital Editions. Das EPUB bekommt man in den großen E-Book-Shops online, zum Beispiel bei Libri.de, Ciando.de, Thalia.de oder Buch.de.

3) Wer das Buch als iPhone-App haben möchte, kauft es im iTunes Store oder schaut erst mal bei textunes (da gibt es auch eine Leseprobe). Vorteil bei diesem Format: der Kauf einer App geht blitzschnell und einfach, sie ist komfortabel zu bedienen und stellt den Inhalt sehr schön dar. Auch hier gibt es das farbige, animierte Cover.

Wichtig: Egal, welche Plattform, welcher Shop und welches Format – das Buch kostet immer 9,99 Euro. Und damit keiner doppelt kaufen muss: Wer mir seine iTunes-Rechnung mailt, dem schicke ich ganz unbürokratisch und umsonst auch das PDF zu (nicht aber andersherum und der Deal geht leider nicht im Zusammenhang mit dem EPUB).

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