Chris Anderson

→ zur Interview-Übersicht

Chris Anderson ist Chefredakteur der Zeitschrift Wired und Buchautor. Seine Sachbücher "The Long Tail" und "Free" sind internationale Bestseller und haben die Diskussion um neue Wirtschaftsformen angesichts technologischen Wandels maßgeblich geprägt.

Mehr als 300.000 Menschen haben Ihr Buch in den USA aus dem Internet heruntergeladen. Trotzdem stieg die Papierversion bis auf Platz 13 der New-York-Times-Bestsellerliste. In Deutschland gab es die Online-Version nicht umsonst. Stattdessen kostet sie 39,90 Euro. Nicht gerade free, oder?
Chris Anderson: Ich habe keinen Einfluss darauf, was die Rechteinhaber in den jeweiligen Ländern entscheiden. Immerhin habe ich mir die Rechte am Hörbuch gesichert, und dieses ist – wenn auch leider nur in Englisch – weltweit für immer kostenlos.

Werden Sie also missverstanden? Obwohl Ihr Buch "Free" heißt – in Deutschland "Kostenlos" –, geht es Ihnen gar nicht darum, dass immer mehr Produkte künftig komplett umsonst sein werden?
Anderson: Viele bringen das durcheinander – sie denken, es gehe mir um "kostenlos" versus "kostenpflichtig" – dass also ein Produkt oder Service zu 100 Prozent umsonst sein oder eben etwas kosten müsse. Es geht aber vielmehr um die Entscheidung "umsonst" oder "Freemium".

Kostenlose Proben gab es doch immer schon. Was ist daran neu?
Anderson: Es gibt viele verschiedene Arten von dem, was ich in "Free" beschreibe. Mir geht es vor allem um digitale Produkte. Die haben die einmalige Eigenschaft, dass ihre Grenzkosten nahe null sind.

Also jene Kosten, die entstehen, um je eine weitere Einheit eines Produkts herzustellen und zu vertreiben, sobald es einmal entwickelt ist.
Anderson: Ja, bei digitalen Gütern diktieren die Kosten den Preis nicht mehr wie früher. Daraus haben sich drei Arten von free entwickelt. Neben "Freemium" entsteht eine zweite Art, weil in der digitalen Welt viele Autoren nicht aus kommerziellen Gründen schreiben: Blogs, Twitter-Texte, Facebook-Inhalte und so weiter. Sie tun es für die Reputation, für Aufmerksamkeit. Es ist Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Die dritte Art ist die traditionelle Werbefinanzierung. Kunden bekommen ein Produkt umsonst, weil andere, nämlich die Werbetreibenden, es subventionieren. Das war die erste Welle von Geschäftsmodellen im Internet, aber es gibt eindeutig nicht genug Werbegeld für alle.

Ein Beispiel für "Freemium" wäre in Deutschland das soziale Netzwerk Xing, bei dem die Minderheit der zahlenden Nutzer die abgespeckte Variante für die Masse finanziert.
Anderson: Oder das Wall Street Journal sowie der kostenlose Fotodienst Flickr und seine kostenpflichtige Profi-Variante Flickr-Pro …

Aber seit der Wirtschaftskrise ist es auch für Internet-Unternehmen zunehmend schwierig, ihr Produkt oder ihren Service aus Marketinggründen umsonst wegzugeben und à la Facebook oder Twitter darauf zu hoffen, später – wenn sie erst einmal viele Nutzer haben – schon irgendein Geschäftsmodell zu finden. Investoren fragen jetzt von Anfang an, womit Geld verdient wird. Kommt Ihr Buch zu spät?
Anderson: Nein. Die Krise hat den Markt vom werbefinanzierten "Free" hin zu "Freemium" bewegt. Werbung funktioniert nur für die größten Anbieter mit den meisten Nutzern. Aber in Wahrheit ist gerade eine großartige Zeit für Start-ups. Es gibt kostenlose Open-Source-Software. Man kann Serverkapazitäten nach Bedarf mieten, statt – wie früher – teure Hardware kaufen zu müssen. User Generated Content sorgt für kostenlose Inhalte. Sprich: Die Werkzeuge des Unternehmertums sind zunehmend umsonst.

Ein aktuelles Beispiel?
Anderson: Microsoft verschenkt seine gesamte Unternehmens-Software an Start-ups, vorausgesetzt, sie sind jünger als drei Jahre und haben weniger als eine Million Dollar Umsatz. Es war nie günstiger, ein Unternehmen zu gründen. Ich selbst habe das zweimal getan.

Was für Unternehmen sind das?
Anderson: Eine Firma für Roboter und eine namens Booktour.com, bei der man sich zentral über Lesungen von Buchautoren informieren kann. Beide Unternehmen arbeiten nach dem "Freemium"-Modell – Werbung funktioniert nicht, wenn Sie ein kleiner Anbieter sind. Die Frage ist also nicht, ob es das Phänomen "Free" gibt – das ist unbestreitbar seit zwei Jahrzehnten so, denn es basiert auf den grundlegenden wirtschaftlichen Voraussetzungen des Internets …

… sprich: Hardware wird immer günstiger und Software lässt sich kostenlos vervielfältigen …
Anderson: … die Frage ist vielmehr: Welche Geschäftsmodelle lassen sich rund um "Free" finden?

→ zur Interview-Übersicht | ↑ Top

Zitate aus Meconomy

»„The future of business will be more startups, fewer giants, and infinite opportunity“«

— Chris Anderson

»Sicherheiten gibt’s eh keine mehr. Macht doch, wofür Euer Herz schlägt.«

— Johannes Kleske, Social-Media-Experte

»Glauben Sie an das, was Sie tun? Jeden Tag? Es stellt sich heraus, dass glauben eine brillante Strategie ist. Immer mehr Menschen merken gerade, dass sie sehr viel arbeiten und dass es sehr viel befriedigender ist, an etwas zu arbeiten, an das sie glauben und Dinge zu bewegen, als einfach nur jeden Monat sein Gehalt zu bekommen und darauf zu warten, gefeuert zu werden (oder zu sterben).«

— Seth Godin, Management-Autor

Es gibt drei Wege, Meconomy zu kaufen – je nachdem, welches Format man bevorzugt:

1) Man kann hier den PDF-Download wählen. Das PDF ist sehr vielseitig, funktioniert auf allen Computern, vielen Smartphones und E-Readern. Außerdem bekommt man ein farbiges, animiertes Cover, das ziemlich cool aussieht.

2) Das gängigste E-Book-Format heisst EPUB und läuft auf fast allen Lesegeräten (Achtung: nicht auf dem Kindle). Man kann EPUBs aber auch am Rechner lesen, mit kostenlosen Programmen wie Digital Editions. Das EPUB bekommt man in den großen E-Book-Shops online, zum Beispiel bei Libri.de, Ciando.de, Thalia.de oder Buch.de.

3) Wer das Buch als iPhone-App haben möchte, kauft es im iTunes Store oder schaut erst mal bei textunes (da gibt es auch eine Leseprobe). Vorteil bei diesem Format: der Kauf einer App geht blitzschnell und einfach, sie ist komfortabel zu bedienen und stellt den Inhalt sehr schön dar. Auch hier gibt es das farbige, animierte Cover.

Wichtig: Egal, welche Plattform, welcher Shop und welches Format – das Buch kostet immer 9,99 Euro. Und damit keiner doppelt kaufen muss: Wer mir seine iTunes-Rechnung mailt, dem schicke ich ganz unbürokratisch und umsonst auch das PDF zu (nicht aber andersherum und der Deal geht leider nicht im Zusammenhang mit dem EPUB).

Schließen