Die Meconomy in der Praxis: Was genau machen wir eigentlich bei Rethink?

Illustration: Mario Wagner für Rethink

Vor knapp zwei Jahren habe ich zusammen mit Brian O’Connor und Katrin Seegers die Agentur Rethink gegründet. Ich hatte so viel darüber nachgedacht und geschrieben, dass es heute einfacher ist denn je, ein Unternehmen zu starten, dass ich einfach mal selbst den Beweis antreten wollte. Aber was genau ist Rethink? Es wird wahrscheinlich Zeit, das hier einmal kurz zu erklären.

Am Anfang stand das Gefühl von Brian und mir, dass wir die Dinge selbst in die Hand nehmen wollten. Er ist einer der besten Gestalter und Kreativdirektoren, die ich kenne, hat in den 90ern von Techno-Party-Flyern bis zu Magazinen wie Lowdown alles mögliche gemacht, war zuletzt Berater und Kreativdirektor von Handelsblatt und Welt am Sonntag. Ich hatte für SZ Magazin und Welt am Sonntag als Redakteur gearbeitet, für Stern, Spiegel AD, GQ und viele andere als Autor. Hatte zuletzt die deutsche Vanity Fair als Managing Editor mit aufgebaut und danach entschieden, nur noch für Titel zu schreiben, die ich wirklich mag, weshalb ich nun Autor bei Brand Eins und Monocle bin.

Brian und ich erlebten, wie der Medienwandel hin zu Mobile, Social Media, Tablets und all den anderen technologischen Entwicklungen bei unseren Arbeitgebern, den Verlagen, häufig vor allem Unsicherheit auslöste – gar ein Gefühl der Bedrohung. Budgets wurden kleiner, Redaktionen gestresster, alles entwickelte sich in eine unschöne Richtung. Während eines gemeinsamen Lehrauftrags an der UDK entschieden wir: Wir wollen nicht Teil des Problems sein, sondern Teil der Lösung. Wir wollen diesen Umbruch nicht erleiden, sondern mitgestalten. Als wir das Angebot bekamen, Deutschlands erstes iPad Magazin zu entwickeln und uns danach Volkswagen engagierte, den ersten redaktionell getriebenen Autokatalog fürs Tablet zu erfinden, entschieden wir, diesen Schwung zu nutzen und Rethink zu gründen.

Mit Katrin Seegers, die bis kurz zuvor Geschäftsführerin von Scholz&Friends Berlin (und davor Zürich), gewesen war für Medienkunden wie die FAZ und Luxusmarken wie A. Lange & Söhne gearbeitet hatte, stieß kurz darauf das fehlende Puzzlesstück zu unserem Team: Design, Journalismus, Strategie: das sollte unser Leistungsspektrum sein. Seitdem führen wir drei als Partner gemeinsam das Unternehmen.

Und was macht Rethink nun? Grob gesagt erzählen wir echte Geschichten mit echten Menschen rund um Marken. Und das über alle medialen Plattformen von Web über Mobile und Social Media bis Magazin und Buch. Wir nennen das: Brand Narratives.

Rethink hat in den knapp zwei Jahren seit Gründung für Kunden wie Helios, Facebook und Ullstein gearbeitet, hat verschiedene Magazine für RolandBerger und MetaDesign konzipiert und produziert. Ist für Volkswagen um die Welt gereist, um Microsite, iPhone- und iPad-App sowie ein Coffeetable-Buch zu produzieren, hat für den größten Schweizer Büromöbelhersteller Lista Office LO ein Print- und Digitalmagazin entwickelt. Inszenierte für Axel Springer eine Employer-Branding-Kampagne und eine innovative Jubiläums-Website. Hat für Credit Suisse und LO einen Film über neue Arbeitsformen gedreht und einer smarten neuen Berliner Anwaltskanzlei die Website konzipiert.

Wir arbeiten außerdem an spannenden strategischen Projekten, über die ich noch nichts verraten darf, unter anderem für die Telekom, die Hertie School of Governance und Ifolor.

Wir machen auch Workshops, moderieren und halten Vorträge, geben strategische Beratung und produzieren Prototypen für Dinge, die es so noch nie gab. Vor allem aber haben wir ein großartiges Team aus rund 15 supersmarten Designern, Redakteuren und Strategen, die ich (fast) jeden Tag am Hegelplatz in Berlin Mitte treffe.

Ich habe ja mal ein Buch darüber geschrieben, dass man heutzutage nicht mehr jeden Tag ins Büro gehen muss. Muss man auch nicht. Aber wenn man so spannende Sachen machen kann und das mit so klugen und netten Kollegen wie bei uns, spricht doch viel dafür. Trotzdem setzen wir viele Theorien aus Morgen komm ich später rein in die Praxis um: Wann und wo unsere Leute arbeiten ist uns häufig egal, Hauptsache der Job wird exzellent erledigt. Homeoffice ist kein Problem und Kollegen mit Familie (darunter alle drei Geschäftsführer), holen ihre Kinder ein paarmal pro Woche von der Kita ab. Was ich aber auch gelernt habe: Um gemeinsam kreativ zu sein, muss man oft eben doch am selben Ort sein. Alles andere erzeugt zuviel Reibungsverlust durch digitale Abstimmungsschleifen.

Ich arbeite immer noch als freier Autor für Brand Eins und Monocle. Etwas weniger als früher, aber regelmäßig. Journalismus ist meine Leidenschaft, das lasse ich mir nicht nehmen. Die Abgrenzung zu Rethink ist glasklar – ich schreibe nicht über unsere Kunden. Solange das gilt, ergänzen sich die beiden professionellen Aspekte meines Lebens wunderbar.

Ich hatte in Meconomy theoretisch beschrieben, wie einfach es heute ist, ein Start-Up zu gründen. Die Praxis bei Rethink hat mir in den vergangenen zwei Jahren gezeigt: Es ist trotzdem eine Menge Arbeit. Aber es ist nicht Arbeit für die Vision eines anderen, sondern für die eigene. Das motiviert enorm. Ich kann jedem nur empfehlen, das einmal auszuprobieren.

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