Die Meconomy in der Praxis: “Selbstbestimmt und sinngetrieben” – Gastbeitrag Nummer 6

Silke Luinstra (Bild) habe ich auf einer Berliner Veranstaltung des Netzwerks Erfolgsfaktor Familie kennen gelernt – das ist eine Initiative von Bundesfamilienministerium und DIHK, die es sich zum Ziel gesetzt hat, bei deutschen Unternehmen für eine bessere Vereinbarkeit von Job und Familie zu werben.

Ich war Keynote-Speaker, Silke Luinstra sprach mich nach dem Vortrag an – und weil sie so anschaulich davon erzählte, wie sie Themen meiner Bücher in ihrem beruflichen und privaten Leben ganz praktisch umsetzt, habe ich sie gebeten, darüber doch einen kleinen Gastbeitrag für mein Blog zu schreiben. Hier ist er:

„Morgen komm‘ ich später rein” fiel mir im Herbst 2009 in die Hände. Gelesen habe ich es an einem Abend, aufhören konnte ich nicht, so sehr sprach mir das, was ich las aus dem Herzen. Schon 2002 hatte ich meine Festanstellung als Organisationsentwicklerin gekündigt. Es fühlte sich nicht richtig an, ich konnte mit Zielvereinbarungen, Boni und anderen Incentives (zu) wenig anfangen. Ich arbeitete fortan freiberuflich als Prozessberaterin in Projekten und als Trainerin, zunehmend mit dem Fokus familienbewusster Unternehmenspolitik.

„Morgen komm‘ ich später rein“ war schließlich der entscheidende Impuls für einen weiteren inhaltlichen Schwerpunkt meiner Arbeit. Ergebnisbezogenes Arbeiten, das Arbeit von festen Zeiten und Orten löst ist seither ein Kern meines beruflichen Tuns. Ich habe mich immer weiter in das Thema vertieft, unter anderem Jody Thompson – eine der Autorinnen des von Markus Albers zitierten „Why work sucks and how to fix it“ – interviewt. Dieses Wissen und meine Erfahrung in der Begleitung von (Veränderungs-)Projekten ergeben einen Mix, den Kunden zu schätzen wissen.

Meine Vision ist es, dass Menschen selbstbestimmt und sinngetrieben und im Einklang mit ihren beruflichen und privaten Rollen leben können. Die Trennung von Beruf und Privatleben löst sich immer mehr auf. Wir bewegen uns in vielen Berufen wieder hin zu der alten Integration von Beruf und Privatleben, die es vor der Industrialisierung gab. Mit allen Konsequenzen. Das erfordert neue Kompetenzen bei Führungskräften und Mitarbeitern – und nicht das Abstellen von Blackberry-Servern. Echte Zeitsouveränität ist das erklärte Ziel und das ist mehr als ein wenig flexible Arbeitszeit.

Welche Rolle spielte das Buch „Meconomy“? Es war eine Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein. Ernsthaft bezweifelt hatte ich das offen gestanden nie – spätestens nach Abenden, an denen Freunde mit ihr Festangestellten-Leid geklagt hatten nicht mehr. Und doch tat es gut zu lesen, dass es Vielen so ging und geht wie mir.

Und „Meconmony“ hält eine Fülle von Zitaten bereit, die als Motto für den Tag oder den Monat taugen. „Don’t just take orders, make sandwiches“ war über Wochen mein Bildschirmschoner, der mich daran erinnerte, weniger zu denken und zu analysieren und mehr zu machen.

Ich könnte mir heute nicht mehr vorstellen, anders zu arbeiten. Nicht zuletzt, weil ich Kinder habe. Mit ihnen Nachmittage – oder auch mal Vormittage – zu verbringen, ohne dafür jemanden um Erlaubnis fragen zu müssen ist Lebensqualität für alle Beteiligten. Nun fragt sich nur noch, wie Schule in der Meconomy aussehen könnte und sollte. Damit es mehr Vormittage sein können – und damit die Kinder erfahren, dass es etwas anderes gibt als Anwesenheitspflicht und starre Zeiten.

Soweit der Gastbeitrag von Silke Luinstra

1 Kommentar

  1. Ich freue mich sehr, dass es noch Menschen gibt, die den Glauben an eine neue Arbeitswelt nicht aufgeben (weil… ich hab aufgegeben)

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